WIR-SIE – Editorial 4/2018

WIR-SIE – Editorial 4/2018

Liebe Leserinnen und Leser
«Was wäre wenn…?» «Wie wird…sein?» Die vermeintlich naivsten Fragen der Zukunftsforschung sind zugleich ihre wichtigsten: Es sind die Fragen all derjenigen, die wissen wollen, besser wissen wollen, genauer wissen wollen – und die Lust haben auf unmögliche, ungestellte, undenkbare Fragen. Was wäre, wenn die Erde nicht flach wäre? Was wäre, wenn wir zum Mond fliegen könnten? Was wäre, wenn alle Menschen eine Sprache sprechen würden? Aus solchen Fragen nähren sich Vorstellungen einer Zukunft, die wir uns im Hier und Jetzt noch nicht vorstellen können. Im Modus des Fragens entsteht nicht ein einzelnes Bild der Zukunft, sondern deren viele: Möglichkeitsräume, Projektionsflächen, Wunsch- und Angstszenarien etc. Indem wir fragen, ent- werfen wir Zukünfte und machen die Welt gestaltbar.
Diese Grundüberlegung hat die zwölf Studierenden des Designstudiengangs Trends & Identity dieses Jahr dazu bewogen, ein ganzes Heft im Modus des Fragens zu konzipieren, als einen endlosen Strom von immer weitergehenden, sich weiterentwickelnden Fragen, die kein Ende mehr nehmen wollen und immer weitergesponnen werden. Viel eher als ein konkretes Szenario ist daraus eine Unsumme von Fragen, ein fragender Gedankenfluss entstanden, der Sie als Leserinnen und Leser in einem positiven Sinn verunsichern soll und der Ihnen auch Lust machen soll, in das eigene ewige Weiterfragen einzusteigen.
Auf der inhaltlichen Ebene wird im Heft ein Thema behandelt, das hochgradig geeignet ist, Fragen zu stellen, Fragen offen zu lassen, Fragen als ambivalent und letztlich unbeantwortbar zu exponieren: Das Verhältnis des Menschen zu den Tieren. Sie sind uns die nächsten und doch so fremd; sie sind Verwandte und Unbekannte, Freunde und Helfer, aber auch Nahrungsmittel und Ersatzteillager, sie stehen für das Wilde und Unbezähmbare, aber auch für das zu Unterwerfende und zu Beherrschende. Dabei geht es auch, aber nicht nur, darum, dass wir Tiere töten, essen, verwerten.Wir üben Macht aus und sind gleichzeitig nicht sicher, ob wir das wirklich dürfen oder sogar sollten. Speziesimus, Tierrechte oder globale Ernährungskrise und damit zusammenhän- gender Klimawandel sind dabei nur einige wenige der Stichworte, die uns hierbei umtreiben (sollten). Dass sich dies im Modus des Fragens trefflich tun lässt, zeigt das vorliegende Heft. Werden Sie jetzt eine anregende, vergnügliche, inspirierende Lektüre haben? Wir wünschen es Ihnen. Aber jetzt ist genug im Indikativ gesagt, ab jetzt wird gefragt.
Basil Rogger
Vorstandsmitglied swissfuture und Dozent ZHdK

Bestellformular

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.